Heimat? Von quadratischen Köpfen, Currywurst und anständigem Bier

Katja hat zur Blogparade aufgerufen, erzählte mir gestern Abend @genussgier. Für sie geht Heimat durch den Magen.  Was bedeutet Heimat für mich? „Heimat“ gehört nicht wirklich zu meinem aktiven Wortschatz.

Als ich aufwuchs, war mir der Begriff Heimat zu eng, zu Deutsch. Er war mir zu sehr mit unserer nationalsozialistischen Vergangenheit verbunden. Meine Generation war diejenige, die die ersten richtigen Geschichtsaufarbeitungen des Holocaust in der Schule erlebt haben, ich bin Jahrgang 1968. Das war extrem wichtig, wenn auch zuweilen oft über’s Ziel hinaus. Wir haben über dieses Thema gefühlt in jeder Stunde gesprochen, ob Biologie, Geschichte, Politik oder Geographie. Das Ergebnis: Ich konnte das Thema Nationalsozialismus nicht mehr hören, war und bin aber sehr sensibilisiert. Wenn ich höre, dass Leute stolz auf ihre Nationalität, auf ihr Heimatland sind, wundere ich mich immer noch. Wie kann man stolz auf etwas sein, auf das man keinerlei Einfluss hatte und hat? Ich war und bin nicht stolz darauf Deutsche zu sein, ich bin mir aber bewusst, was Deutsch an mir ist, auch wenn ich mich eher als Europäerin sehen würde.

Deutsch, das hatte den Muff von Spießigkeit und Engstirnigkeit als ich 1994 für ein AuslandsUrlaubssemester nach Alicante, Spanien ging. Dort bekam ich zunächst von außen widergespiegelt, was man sich unter Deutsch vorstellte: Da fielen die klassischen Begriffe Pünktlichkeit, Sturheit und Genauigkeit und auch unsere nationalsozialistische Geschichte. Es gibt sogar eine Bezeichnung für Deutsche: „Cabeza quadrada“, quadratischer Schädel, Menschen mit Scheuklappen auf dem Kopf, die nicht über ihren Horizont blicken. Ich war damals nicht besonders pünktlich, schließlich war ich ja Studentin. Ich bin auch offen. Und stur? Ich doch nicht…

Ich fand Alicante mit seinem bunten Erasmus-Stipendianten aus aller Welt super, mochte es, Spanisch zu lernen und wollte fast nicht wieder nachhause. Aber da war doch etwas…was vermisste ich an meinem „Heimatland“?

Meinen damaligen Freund, und zwar sehr! Danach kamen mir Dinge in den Sinn, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie mir fehlen würden: Currywurst! Mir war bis dato gar nicht bewusst, dass Currywurst sehr Deutsch ist. Dann fehlte mir Nutella. Es gab zwar Nuss-Nougat-Cremes, aber halt keine Nutella. Einem damaligen Freund aus Hamburg, den ich in Alicante kennen lernte, fehlte Vollkornbrot mit Leberwurst und deutsches Bier. Wir sind sogar damals soweit gegangen und haben eine deutsche Party geschmissen mit Kartoffel-, Nudelsalat und Bockwürstchen. Dazu wurde natürlich Neue Deutsche Welle gespielt. Das war großartig! Meine spanischen WG-Bewohnerinnen hat das befremdet.

Ehrenfelder Alt - RICHTIGES BIER in der Domstadt
Ehrenfelder Alt – RICHTIGES BIER in der Domstadt

Ich habe immer gedacht, dass ich eines Tages im Ausland leben würde. Mittlerweile kann ich mir das zwar noch vorstellen, ich habe aber in meiner Geburtsstadt Düsseldorf einen tollen Freundes- und Genusskreis. Ich fühle mich hier wohl, irgendwie sogar heimisch…und ich gehe sogar soweit, mich mit Kölnern anzulegen, die Köln sehr ernst nehmen. Kurz dazu, Ihr Lieben: Köln ist eine schöne Stadt, der Dom ist toll, aber Bier? Seid froh, dass Ihr in der Braustelle einen Düsseldorfer habt, der anständiges Bier braut, das Ehrenfelder Alt 🙂 Und jetzt noch ein Mettbrötchen, ein Alt und zum Nachtisch eine Currywurst und ich bin daheim.

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2 Gedanken zu “Heimat? Von quadratischen Köpfen, Currywurst und anständigem Bier

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