Putencurry für den großen Glander

Der Mairisch Verlag hat mit Stevan Paul zusammen zur Blogparade aufgerufen #glanderblogparade. Die Aufgabe ist es, ein Gericht nachzukochen, das in dem ersten Roman Stevans „Der große Glander“ Erwähnung findet.

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Da die Mutter von Glanders Freundin Katrin ein Putencurry „ganz mild“ zubereitet, war für mich klar: das muss ich einreichen. Schließlich hat meine Mutter – wie im Roman auch in den 70ern – ein eigenes Rezept dazu kreiert. Sie nannte es so exotisch, wie sie vermochte „Hongkong Teller“. Das beschreibe ich auch schon hier, aber ich dachte, ein paar Handgriffe noch dran und ein paar mehr persönliche Zeilen, runden meinen Blogbeitrag ab. Zumal ich ja auch ein etwas besseres Foto als damals geschossen habe, gefühlt zumindest.

In dem Roman scheint dieses Curry nicht gerade lecker zu sein. Katrin sind die vermeintlichen Kochkünste ihrer Mutter peinlich. Es wird von „Putenstreifen mit gelben Glibber“ und „leuchtend gelbem Zeug“ geredet. So realitätstreu ich das Gericht zubereiten wollte, lecker sollte es dann doch werden.

Und ich kann ohne Übertreibung sagen: Mein Putencurry hat Fans, internationale Fans. Klingt komisch, ist aber so. Ich musste das Gericht vor mehr als 20 Jahren in meiner „Studienzeit“  als Erasmus-Studentin in Alicante mehrfach für meine algerische Freundin Naima und deren Gäste kochen. „Lo con el pollo“, wie es meine Freundin nannte. Ich hatte es damals lieber mit Huhn als mit Pute zubereitet. Schon witzig, wie ein nur sehr leicht indisch angehauchtes deutsches Gericht mit chinesischem Namen zum Lieblingsessen einer in Spanien lebenden Algerierin wurde. Eine weitere Liebhaberin ist wohl jetzt meine Freundin Lee, sie hat auch deutsch-amerikanische Wurzeln und kocht übrigens den römischen Rollbraten hier nach. Wir haben uns nämlich zusammen getan und gegenseitig verkostet. Der Rollbraten war auch sehr lecker. Lest also den Artikel und kocht das Rezept!

Aber zurück zur Ananas: Ananas war in den 70er Jahren nicht mehr so exotisch, vielleicht lag das am berühmten Toast Hawaii, den der Legend nach der erste deutsche Fernsehkoch Clemens Wilmenrod in den 1950ern kreiert haben soll. Wer von euch hat die 70er Jahre erlebt und erinnert sich noch an andere „exotische“ Gemüse und Früchte? Die wurden im Supermarkt gefühlt bis vor kurzem mit orange farbenen Zetteln versehen, auf denen die Frucht oder das Gemüse erklärt wurde, zusammen mit einem Rezeptvorschlag. Dank meiner experimentierfreudigen Mutter, haben wir wahrscheinlich als einer der ersten deutschen Haushalte Sojabohnensprossen mit Gehacktem und Sojasauce gegessen. Hat meiner Mutter, meinem Bruder und wir sehr gut geschmeckt. Wir reden nicht von meinem Vater. Der isst bis heute noch nicht einmal Pizza. Zu exotisch. Beim Griechen bestellt er immer ein Schnitzel.

Ich habe das Rezept ein klein wenig angepasst: frischen Ingwer gab es partout noch nicht in den 70er Jahren in Deutschland, zumindest nicht in der Vorstadt. Knoblauch auch nicht. Mit Wein hat meine Mutter nur sehr sporadisch gekocht. Dafür habe ich das erste (und wohl letzte) Mal in meinem Leben leuchtend rote Cocktailkirschen gekauft. Mich beschleicht fast das Gefühl, die leuchten auch im Dunkel, aber nun gut. Die Deko muss sein!

Jetzt aber lange auf die Folter gespannt, hier das Rezept

Hongkong Teller / Putencurry nach Ingeburg und Carmen Hillebrand

HongkongTeller5

Zutaten (alles nur ungefähre Angaben)

  • 800 g Putenbrust oder Hähnchenbrust
  • 1 kleines Glas grüne Oliven mit Paprikapaste gefüllt
  • 2 – 3 Dosen Ananas in Scheiben ungezuckert
  • 200 ml Weißwein, Riesling z.B.
  • 1,5 Becher Sahne
  • 1 Stückchen frischen Ingwer
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 größere Haushaltszwiebel
  • 200 ml Geflügel- oder Gemüsebrühe (sollte beides selbst gemacht sein)
  • 1 Packung Nordseekrabben (das wäre das Original) oder Gambas
  • Butter zum Anbraten
  • 1 ungespritze Orange
  • 1 ungespritzte Limette oder Zitrone
  • Gutes Currypulver (ich habe Hot Madras Curry aus dem Asiamarkt verwendet)
  • Paprikapulver mild
  • Paprikapulver scharf
  • Salz
  • Pfeffer aus der Mühle
  • Zucker
  • Piment de l’Espelette (nicht wirklich notwendig im mildem Curry, kann aber nicht schaden…)
  • Reis
  • Cocktailkirschen für die Deko (Pst, hat meine Mama nicht benutzt, ist aber sooo schön 70er)

Zubereitung

Ananas trocken legen, d.h. in einem Sieb abtropfen lassen und Saft auffangen. Braucht ihr später noch zum Abschmecken.

Putenfleisch abwaschen, gut trocknen und in mundgerechte Stücke schneiden. Zunächst zur Seite stellen. Das Geflügel sollte nicht zu kalt angebraten werden. Zwiebeln in sehr feine Würfel schneiden. Ingwer und Knoblauch sehr fein schneiden. Bis auf ca. 4 Scheiben für das Plating später den Ananas ähnlich groß wie die Putenwürfel schneiden. Gut trocknen.

Zunächst die Putenstücke bei mittlerer Hitze in Butter anbraten bis sie Farbe annehmen, aus der Pfanne / dem Bräter nehmen. Zwiebel im Fett anschwitzen bis sie glasig sind, dann die Ananas-Stücke in die Pfanne und karamellisieren lassen, Knoblauch und Ingwer hinzugeben und kurz mitanschwitzen. Dann Currypulver nach Gusto hinzugeben und kurz andünsten. Wenig Zucker in die Pfanne und die Temperatur hochdrehen. Mit Weißwein ablöschen und einkochen lassen. Gemüse- oder Hühnerbrühe dazu und ein wenig einkochen lassen. Die Oliven ganz oder in Scheiben hinzufügen. Sahne dazu geben und die gebratenen Putenstücke. Alles kurz köcheln lassen, salzen, nach Gusto würzen. Sobald die Sauce dick genug ist mit Orangen-Limetten-Abrieb und ein wenig von deren Saft abschmecken, nach Geschmack noch etwas Ananassaft aus der Dose hinzugeben.

Parallel Reis klebrig kochen. Den Reis auf einem Teller anrichten mit dem Putencurry und – ganz wichtig – mit kaltem Ananasring jeweils servieren. Dazu eine Cocktailkirsche (muss nicht, ist aber sehr 70er) dekorieren und die Krabben darauf anrichten.

Passendes Getränk: Ein nicht zu laut hopfiges IPA (z.B. englisches IPA wie Meantime IPA) oder ein schöner knackiger Riesling.

Guten Appetit!

Fun Fact: Nachdem mir eine Lasche der Ananas Dose abgebrochen war, musste ich den Dosenöffner hervorkramen….nach unzähligen Versuchen, wie der denn nochmal zu bedienen sei, habe ich im Netz nachschauen müssen. Ich hatte mich so an die Lasche gewöhnt bzw. koche so wenig mit Konserven, ich habe diese „Kulturtechnik“ des Dosen Öffnens verlernt…

 

 

 

 

 

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