Von #betreutesTrinken, Whisky und Eis

Aschenbecher auslecken oder Marzipan – nach was schmeckt Glenallachie?

Seit 2012 blogge ich hier. Als ich damals unter meinen Freunden und im „digitalen“ Freundeskreis rumfragte, wie ich denn mein privates Foodblog nennen sollte, kam der Vorschlag „Carmen trinkt“. Fand ich lustig, schließlich kennt man mich auch insbesondere unter dem Hashtag #betreutesTrinken und den passenden Sessions auf Barcamps. Dort lehre ich, wie man oder frau Whisky trinken sollte und wo der Geschmack im Whisky herkommt.

Daraufhin ist ja bekanntlicherweise dieses Blog einen anderen Namensweg gegangen. Ich wollte über mehr schreiben als über Whisky. Herausgekommen ist ein Blog, das so gar nicht über Whisky schreibt. Das ist skandalös und wird hiermit geändert. Denn schließlich trinke ich immer noch Whisky. Und nicht zu wenig. *hüstel. Darüber hinaus bin ich ein Drittel des Podcasts Völlerei & Leberschmerz. Und hier natürlich für Letzteres zuständig.

Im Folgenden geht es um einen fantastisch runden, vielschichtigen Whisky: Glenallachie, genauer genommen den 18-jährigen Glenallachie. Und auch den Weg des Genusses. Jetzt wird es weihevoll.

Eis.

Ihr Leser. Macht die Augen zu. Also so gleich, nach diesen Zeilen, sonst könnt Ihr diese wichtigen Zeilen ja gar nicht lesen. Ihr schenkt den bernsteinfarbenen Single Malt in ein Nosing Glas oder ein Sherryglas ein. Auf keinen Fall in einen großen Tumbler. Whisky verhält sich wie Wein: wir brauchen den Geruch kanalisiert.

Dann packt Ihr Eis in das Glas.

Waaaaassss? Ein Aufschrei geht durch Euch. Was ist mit Carmen los? Sie muss krank sein. Ok. Ich wollte nur schauen, ob Ihr noch wach seid. Natürlich gebt Ihr niemals Eis in einen guten Whisky. Egal wie heiß der Sommer ist. Zu keinem Zeitpunkt. Undenkbar. Einzige Ausnahme ist ein Glas Jim Beam. Den dürft Ihr mit Eis zieren, um ihn dann samt dessen ins Klo zu gießen.

Warum eigentlich kein Eis? Eis macht euren Drink wässrig und betäubt Eure Geschmacksnerven. Und genau das wollen wir doch nicht. Also weiter im Genuss. Ihr nehmt das Glas wie ein Cognacglas in die Hand. Somit wärmt Ihr den Whisky. Schwenkt ihn, schaut Euch an, ob er Fenster bildet. Das ist ein Hinweis auf die Größe der Brennblase. Kleinere Brennblasen produzieren eher ölige Whiskies, höhere Blasen bringen eher schlanke Destillate zutage. Die Farbe könnt Ihr – anders als beim Wein – ziemlich außen vorlassen, denn es wird oft mit Zuckerkulör gearbeitet.

Eine Nase voll

Und jetzt trinken? Nein! Erst wird ausgiebig am Glas gerochen. Last Euch Zeit, lernt den Whisky kennen. Wenn Ihr idealerweise Eure Hände nicht mit einer stinkenden Seife gewaschen habt (wie das leider auch teilweise in Fine Dining Häusern der Fall ist) reibt etwas Whisky auf den Handrücken. Riecht. Versucht zu beschreiben. Und zwar nicht unbedingt mit Fachtermini. Das ist total schnurz. An was erinnert Ihr Euch? Habt Ihr ähnliche Geruchserfahrungen gemacht? Riecht er nach Aschenbecher oder nach Honig und Frucht? Was für eine Frucht riecht Ihr? Gibt es Meeres- oder Sherrynoten? Ihr merkt schon hier, Ihr lieben blutigen Anfänger, wie vielschichtig dieses Destillat sein kann.

Prost

Seid Ihr soweit? Dann dürft Ihr jetzt trinken. Habt Ihr Euch verdient. Riecht, nehmt einen nicht zu kleinen Schluck und bewegt ihn im Mund. Schmeckt er so, wie er für Euch riecht? Wie ist der Abgang, d.h wie lange bleibt er im Rachen? Lange? Oder ist er direkt weg bzw. bleibt er geschmacklich eher oben am Gaumen. Lasst Euch Zeit mit dem nächsten Schluck.

Wasser

Was mich zu dem Thema Wasser führt. Soll man Wasser ins Glas geben, wenn schon kein Eis? Jein. Ich selber füge in der Regel nur Wasser hinzu, wenn ein Whisky mehr als 46 Prozent hat oder eine Fassstärke ist von über 50 Prozent. Alle 40, 43 und 46 Prozent werden eh schon runterverdünnt bei der Abfüllung. Der frisch destillierte Whisky wird mit rund 70 Prozent in die Fässer gefüllt.

Was Wasser mit dem Whisky macht? Er bricht ihn oft auf. Manchmal sind Noten, die Ihr vorher pur probiert habt weg und andere Noten treten zutage. Sehr spannend. Wichtig ist, nicht zu viel Wasser hinzuzufügen. Nur einen Tropfen jeweils. Hier könnt Ihr mit einer Pipette oder einfach mit einem Teelöffel und einem Glas Wasser arbeiten.

Trinkpraxis

Soviel zur Theorie. Jetzt geht es zur Sache. Wir probieren jetzt den 18-jährigen Glenallachie. Also ich trinke und Ihr macht das virtuell. Er ist von der gleichnamigen Destille aus der Speyside, aus Schottland. Von einer der wenigen Destillen im Privatbesitz. Sympathische 46 Prozent hat der Single Malt. Er durfte nach der Lagerung in Ex-Bourbon-Fässern noch ein Finish in anderen Fässern genießen. Mehr im Fazit, damit ich hier nicht zu viel Geschmack vorwegnehme.

Glenallachie, 18 Jahre, 46 Prozent, nicht kühlfiltriert, kein Zuckerkulör

Geruch

Alkoholisch, süßlich, Rosine, Sherry, Mandel, genauer gesagt gebrannte Mandeln, Marzipan strömt in die Nase.

Geschmack

Nicht so wie der Geruch, nicht zu sprittig, ist der Glenallachie. Und vor allem gar nicht so süß, wie der Geruch verspricht. Da ist bittere Schokolade, Rosine, Marzipan, Bittermandel, Sherry. Der Abgang ist lang, fließt aber nicht sofort runter in den Hals. Er bleibt am Gaumen und ist kein bisschen ölig. Lasst Euch Zeit mit dem zweiten Schluck. Genuss bedeutet schließlich: Nimm dir Zeit!

Fazit

Ein sehr feines Tröpfchen. Jeden Cent wert. Ich habe ihn für rund 90 Euro erstanden. Dass Oloroso und PX-Fässer für das Finish verwendet wurde, schmeckt man. Wie schön, dass das Ganze nicht zu breiig süß ist. Ein absolute Kaufempfehlung.

Sláinte mhath. Und da ich ja gelobt habe, mehr über Whisky zu schreiben, was soll ich schreiben? Her mit Euren Vorschlägen! und Fragen!

 

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2 Gedanken zu “Von #betreutesTrinken, Whisky und Eis

    1. Hallo Alexander, danke für die virtuellen Blumen. Das Alter macht für mich keinen Qualitätsfaktor aus. Ich trinke seit 18 Jahren Whisky und habe schon Whisky probiert, der 6 Monate älter war als ich (Jahrgang 1968). Das war nicht der beste Whisky, den ich je hatte. Wenn man auf einem hohen Niveau trinkt, wie z.B. Serge von Whiskyfun kann man eine leichte Tendenz zum älteren Whisky erkennen, aber ich sehe das persönlich nicht so. Ich war letztlich auf dem Markt des guten Geschmacks in Stuttgart – einer Slow Food Messe – und habe einen deutschen Whisky probiert, der mich sehr überrascht hat. Normalerweise finde ich deutsche Whiskies OK, aber nicht aufregend. Dazu kommt das schlechte Preis-Leistungsverhältnis. Der 3-jährige Marder von selbiger Destille aus dem Schwarzwald ist sehr fein. Da wird quasi ein Cuvée gemacht aus einem 3-jährigen Malt, der nur in Ex-Bourbon-Fässern war und einem gleichaltrigen Malt, der nur in Portfässern war. Den werde ich als Nächstes beschreiben. Neben diesem eher ungewöhnlichem deutschen Whisky, fand ich die erste Abfüllung damals von Kilchoman spannend. Die wird es aber nur noch für viel viel Geld geben. Der 3-Jährige zeigte das Potential, das die Destille hatte und hat.

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